Bemerkenswert

Erster Blogbeitrag

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

Jeden Tag schießen mir zahlreiche Texte und Gedanken durch den Kopf. Mein Umfeld meint, ich solle die Welt daran teilhaben lassen, an meinem kleinen Bauchladen der guten, manchmal auch äußerst sonderbaren Laune. So here it is!

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Kenia Tag 1: „Masken pflastern ihren Weg oder „Ich bin so heiß wie ein Vulkan“

Nach einem letzten Tag im „Haus das Verrückte macht“, (wie ich meine aktuelle Wirkungsstätte gerne liebevoll nenne) und einem nächtlichen Packmarathon fahren wir zum Flughafen. Den Hund, der aus Protest und in dunkler Vorahnung, dass er wohl nicht mitfliegt, bereits seit vier Tagen in den Hungerstreik getreten ist und außer Babybell und feinster Wurst – und auch das nur unter Protest- nichts zu sich nehmen will, haben wir zuvor bei meinem Vater abgegeben.

Für den Hund ist das so eine Art bergisches Ritz Carlton mit persönlichem Rund-um-die-Uhr-Butler, kann der „Oppa“ dem mittlerweile betagten Caniden doch keinen Wunsch abschlagen. So muss Bruce nicht nur nicht wie üblich täglich ins Büro, sondern wird von morgens bis abends umsorgt, gekrault, ausgeführt und mit feinstem Futter in rauen Mengen versorgt. Dem Hund gefällt das.

In der Regel nimmt er in zwei Wochen mindestens zwei Kilo zu, was mir jedes Mal den Vorwurf meines Vaters einbringt, wir würden das arme Tier ansonsten wohl darben lassen. Meinem Vater gefällt sein zeitweises Dasein als Bediensteter eines 11 Kilo Fellknäuels mit höchsten Ansprüchen nur bedingt, wird er doch ganztägig belagert und muss jeden Abend ausufernde Diskussionen führen, weshalb der kleine Prinz nicht in Oppas Bett schlafen kann, sondern in SEINEM eigenen Zimmer. Man höre und staune. Mein ehemaliges Zimmer ist nicht mehr mein Zimmer. Es ist nun offiziell das Zimmer vom Hund mit eigenem Bett, genauso wie die „gute“ Couch im Wohnzimmer nun die Couch von „Bruce“ ist.

Am Flughafen herrscht angesichts der aktuellen Corona-Berichterstattung erstaunlich normale Stimmung. Bis auf die üblichen Kleingrüppchen von Asiaten, die wie immer im Schlafanzug und mit Maske reisen, zunächst keine besonderen Vorkommnisse. Wir fliegen erstmals mit Turkish Airlines, Zwischenstopp Istanbul und ich überlege kurz, ob ich neben dem schlechtesten US Amerikanischen Präsidenten aller Zeiten in näherer Vergangenheit Evtl auch den Sultan medial beleidigt habe und ggf. vor Abflug die Social Media Kanäle noch desinfizieren muss um zu verhindern, dass der Urlaub deutlich anders läuft als geplant.

Unterdessen, nach Aufgabe des Gepäcks, führt mich mein Weg in eine Apotheke, eigentlich nur, um ein Fieberthermometer zu erstehen. Nicht wegen überzogener Corona Angst, sondern weil wir diesmal keine Malaria Prophylaxe einnehmen (nachdem ich das letzte mal danach beinahe aussah wie Kojak) sondern lediglich ein Standby-Mittel dabei haben. Das muss sofort eingenommen werden, wenn Fieber auftritt. In besagter Apotheke spielen sich tumultartige Szenen ab.

Offenbar ist eine frische Ladung Atemschutzmasken eingegangen. Obwohl ich die PK des RKI selbstverständlich verfolgt habe, erstehe auch ich zwei offenbar von Elbenhand gefertigte, hochpreisige Mundschutze in Kenntnis der Tatsache, dass das ziemlich unangebracht ist.

Evtl fühle ich mich dazu herausgefordert, weil der enervierende Mann in der Boarding Schlange hinter uns mehrfach und ohne Vorhalten einer Hand TROCKEN in die Gegend gehustet hat und auch durch böses Anstarren nicht in der Lage war, dieses Verhalten abzustellen. Überhaupt ist es ja ansonsten der Running Gag, dass die Schwerstkranken IMMER neben oder hinter mir sitzen müssen. Heute ist das erstmals echt nicht mehr witzig und man möchte sich nicht ausmalen, wie man sich fühlte, grassierte nicht der – für ansonsten Gesunde – relativ ungefährlich Corona Virus, sondern etwas deutlich tödlicheres.

Zur inneren Desinfektion trinke ich das traditionelle Flugbier. Der Flug nach Istanbul straft die Werbespots von Turkish Airlines lügen. Die Maschine ist alt, dreckig und das Personal maximal desinteressiert. Mit 30 Minuten Verspätung starten wir. Neben mir sitzt eine winzige Französin, die sich SO breit macht, dass wir nach Hälfte der Flugzeit einen handfesten mehrsprachigen Streit ausfechten ob dem Mittelplatz die von ihm aus gesehen linke Armlehne zusteht (ja!!!!!!). Zur Strafe schüttet sie mir einen Becher Kaffee über die Hose, was sich später noch als besonders misslich herausstellen wird.

In Istanbul gelandet, frage ich den bislang verdächtig friedlichen Mitreisenden, ob er sicher ist, dass wir die Reststrecke nach Mombasa FLIEGEN, fährt der Kapitän doch nach dem Touchdown eine halbe Stunde lustig Kreuz und quer über das Flughafengelände. Wir weisen die Besatzung auf den nun sehr sehr knappen Slot für den Anschlussflug hin. Schulterzucken. Nach nochmaligem eindringlichen Nachfragen, ob man schonmal dem Terminal Bescheid geben kann, die Aussage, man solle sich nach Verlassen der Maschine an das Bodenpersonal wenden.

Tim Jong un öffnet beinahe eigenständig die Kabinentür und sprintet durch den „Rüssel“. Ich hetze mit der deutlich zu schweren Handgepäck-Tasche hinterher. Zwei Damen von Turkish Airlines fühlen sich nicht zuständig. Außerdem sei A2A „direkt gegenüber“. „Direkt gegenüber“ würde vermutlich allein „the Flash“ oder Usain Bolt die Lage beurteilen, weilen wir doch auf dem riesigen und wirklich beeindruckenden Flughafen von Istanbul in Sektion F. Weiter weg von „A“ kann man hier nicht sein, wie man bereits nach zwei Folgen Sesamstrasse hätte kombinieren können und wissen sollte, wenn man hier arbeitet.

Wir rennen, merken dass es zu eng wird, bitten diverse Leute vom Flughafenpersonal kurz am Gate anzurufen und Bescheid zu sagen. Zu guter letzt und als die Wegweiser anzeigen es seien zu Fuß noch 20 Minuten bis ans Ziel, „mieten“ wir ein Golfcart mit Fahrer (knapp € 20) Der Fahrer erbarmt sich dann auch die Kollegen in „A“ anzufunken und unsere baldige Ankunft anzukündigen. Selbstverständlich erst, als er in der Geschwindigkeit eines Chamäleons die Transaktion per Kreditkarte abgewickelt hat. Ordnung muss sein. Unterdessen muss ich den Mitreisenden davon abhalten kurzerhand das Golf-Cart zu highjacken.

Endlich angekommen am richtigen Gate, frage ich die Mitarbeiter DREIMAL ob sichergestellt ist, dass unser Gepäck (durchgecheckt) ebenfalls in der Maschine ist. Dreimal wird das – zunehmend gereizt und nach Blick in den Computer- bejaht.

Angekommen in Mombasa stellt sich heraus, dass „Jaja“ auch in der Türkei „Leck mich an Arsch“ bedeutet, sind unsere Taschen doch Schlicht nicht da. Nach einem interessanten Gespräch mit der Turkish Airlines Hotline und der mehrfachen Rüge, weshalb ich des Türkischen nicht mächtig bin, verlassen wir ohne Gepäck den Flughafen. Es sind 36 Grad. Wir tragen lange Klamotten, kochen innerlich und haben ausschließlich aus diesem Grunde Angst vor dem Sonnenaufgang.

Karneval oder: „Organisierte Fröhlichkeit zu indiskutabler Musik“

Irgendwie ist Karneval das deutscheste „Fest“, das ich mir vorstellen kann. Selbst wenn es um Ausgelassenheit und Frohsinn geht, helfen dem Deutschen seine bis heute kultivierten preußischen Tugenden. Pünktlichkeit (Generalstabsmässig vorbereiteter Beginn um Punkt 11:11 Uhr), Gründlichkeit („Halb betrunken ist rausgeschmissenes Geld“) und Ordnung (Zeitspanne und Rahmenbedingungen sind seit Generationen festgelegt, die Feierei wird durch ordnungspolitische Vorschriften wie das Flaschenverbot flankiert). Auch sind obligatorische Ausrufe der Freude phonetisch so klug gewählt, dass sie selbst mit 2 Promille artikulierbar sind (alaaaaaaaaf / helauuuuuuu)

Keine andere Nation würde es schaffen, 359 Tage im Jahr bierernst durch die Gegend zu motzen, um dann an fünf Tagen in Folge (jedenfalls so wie Normalsterbliche Karneval feiern, abseits einer mehrmonatigen „Session“) derart zu eskalieren. Vermutlich ist es effizienter, alle verfügbare Fröhlichkeit innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf die Welt loszulassen und sodann wieder in sauertöpfisches Brüten zu verfallen, als gute Laune gleichmäßig auf das Jahr zu verteilen. (Völlig erhaben fühlt man sich natürlich nur, wenn man lautstark Karneval kategorisch ablehnt und aus Düsseldorf in einen „Wellnessurlaub“ flieht. Dass dieser in Köln stattfindet und hauptsächlich darin besteht, sich von biergetränkten, linksrheinischen Fremden beschlafen zu lassen, bei denen die Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Sozialkontakte geringer ist als im heimischen Düsseldorf, muss man ja niemandem erzählen. Und ja: Sowas gibts!)

Überhaupt gibt es – auch da sind wir Deutschen sehr gründlich- für jeden Typ die passende Art sich dem organisierten Frohsinn hinzugeben.Da gibt es zunächst den Sitzungskarneval, dessen Sinn sich mir nie vollständig erschlossen hat. Auf unbequemen Sitzmöbeln lauscht man schlechten Fips Asmussen Imitatoren, unterbrochen von rhythmischem Klatschen und Schunkelei. Das Publikum ist durchweg älter und durchweg noch weniger lustig als der durchschnittliche Karnevalist. Jede(r) zweiter ist als Clown oder Biene verkleidet. Dafür ist das Verletzungsrisiko gering, sitzt man doch und fällt im Zweifelsfall nicht so tief. Auch ist die Gefahr fremde Menschen kennen zu lernen oder sich unterhalten zu müssen kalkulierbar. Außerdem kann man empört die Bühne stürmen wenn ein dicker Mann Witze über Doppelnamen macht.

Deutlich mehr Verständnis habe ich persönlich immer für den guten alten Kneipenkarneval gehabt, war es doch im „Goldenen Einhorn“ immer recht lauschig, hatte man es erst geschafft über die Scharen bewusstloser Jugendlicher in der Altstadt zu steigen und während der mindestens zweistündigen Wartezeit in der Schlange nicht zu erfrieren, oder schon dort einen geeigneten Kopulationspartner zu finden. Eine besondere Herausforderung war es immer, den eigenen Alkoholpegel genau auf dem Level zu halten, dass man trotz aufreizenden Outfits betrunken genug ist um nicht zu frieren, aber nicht so betrunken, dass man Gefahr läuft einzuschlafen, umzufallen oder sich vorm Türsteher zu erbrechen. DAS ist eine viel zu wenig gewürdigte Wissenschaft.

War man dann einmal drin, wurde es gemütlich. So gemütlich, dass man auch keine Angst mehr haben muss, dass man umfällt. Oder – und das ist das Beste am Kneipenkarneval- dass irgendjemand auf „das rote Pferd“ Diskofox tanzt. Überhaupt sind Standardtänze – Gottlob – auf der Fläche eines halben Bierdeckels einfach nicht ausübbar.

Gut, aufwändige Kostüme kann man sich sparen und die ein oder andere Bierspülung ist inklusive, aber es ist warm, man kommt notgedrungen in Kontakt und überhaupt sind die Leute auch irgendwie authentischer fröhlich. Auch polnische Abgänge sind mangels Fluchtweg ausgeschlossen.GANZ hart gesottene Jecken besuchen die Firmen-Karnevalsfeier im eigenen Unternehmen. Dort sieht man Dinge, die sich selbst der Drehbuchautor von „Stromberg“ nicht ausdenken könnte.War man selbst bei der Auswahl des Kostüms noch äußerst kritisch und hat bewusst NICHT die freizügigen Varianten aus Studienzeiten ausgewählt, haben diverse „Kollegen“ alle Hemmungen fahren lassen. So sah ich heute neben diversen sehr freizügigen Damen und Herren VIER Männer in Strapsen, Bauchfrei und mit Langhaarperücke. Wobei „Bauchfrei“ ein missverständlicher Terminus ist. Der Bauch war definitiv da, nur eben…. unbedeckt. Dafür aber sehr haarig.

Da überlegt man schon, ob man den 10 Wöchigen Alkoholdetox nicht doch frühzeitig beendet. Nicht das erste Mal an diesem Tag, wurden doch bereits am frühen Morgen in schlechter alter Weiberfastnachts-Tradition Krawatten abgeschnitten und mit einem tragbaren Kassettenrekorder über alle Flure marodiert. Dieser Vorgang der temporären, bildlichen außer Kraft Setzung des Patriarchats wird dann besonders absurd, wenn die Damen im Büro schon tags zuvor anordnen, dass auch die Männer, die ansonsten in Jogginghose und Kurzarmhemd auflaufen, am nächsten Tag mit Schlips zu erscheinen haben. Auch ist es irgendwie verstörend, wenn die Überreste dieser sinnbildlichen Beschneidung auf dem Flur an die Wand getackert werden.

Sei es drum. Wir sintern also in einem 40 Grad warmen, stickigen, aber immerhin dunklen Raum bei entsetzlicher Musik vor uns hin. Es wird Disko-Fox getanzt. Ich sehne mich zurück ins Goldene Einhorn. Apropos Einhorn: Viele Kollegen haben sich als Verkleidung für unser aller Lieblings-Fabeltier entschieden. Andere schaffen es auf mysteriöse Weise, in voller „Game of Thrones- Nachtwachen-Montur“ an der Veranstaltung teilzunehmen, ohne zu kollabieren.

Man spielt unbeschreibliche „Musik“. Da ich noch nie auf Mallorca war, kann ich keine Texte abseits vom „roten Pferd“ mitsingen, das vermutlich auch nur deswegen rot ist, weil seinerzeit die Kneipe so voll war.

Zu einfachsten Beats wird beispielsweise in einem Song gefragt, wie die Mutter von Nicki Lauda heiße. Offensichtlich nicht Inge, Birgitt oder Hildegard. Bedenklich langsam erschließt sich mir, dass die Antwort auf diese recht banale Frage („Mamma Lauda“) wohl einen verzweifelten Appell an den DJ darstellt, die Dezibel-Zahl zu erhöhen. Auch ein scheußlich schlichtes Lied über einen – offenbar metaphorischen – Hubschrauber wird von der Belegschaft begeistert mitgesungen. Erschreckenderweise bin ich wirklich die Einzige, die nicht textsicher ist. Vermutlich habe ich in vergangenen Jahren einfach zu viel geknutscht und zu wenig mitgesungen um Texte zu memorieren.Gleichwohl hier ein paar Tipps für Karneval im Büro.

1. Achtung!!! Verkleidete Kollegen, die in Abweichung vom üblichen Busfahrer-Hemd mit Trekkingsandalen eine Flugkapitän-Uniform tragen, können im Rückspiegel deutlich attraktiver erscheinen, als sie tatsächlich sind. Dieser Effekt verstärkt sich mit zunehmender Promillezahl. Halten Sie sich von Fliegern jeglicher Art, Ärzten, Gladiatoren und Gartenzwergen per se fern.

2. Sollten Sie ein alkoholisches Getränk ablehnen UND weiblich sowie unter 45 Jahre alt sein, fügen Sie die Floskel „und NEIN! Ich bin NICHT schwanger!!!“ hinzu.

3. Stecken Sie den Füller NICHT in Firmentinte. Nie!!! Nie nie! Ansonsten ziehen sie sich wenigstens vom Firmengelände zurück. Glauben Sie mir: man findet Sie! Sowohl in der Tiefgarage als auch im Kopierraum.

4. Männer! Egal was sie getrieben haben waschen Sie sich vor dem Heimkommen das Gesicht. Auch wenn SIE den Glitzer nicht sehen: er ist DA und ihre Frau wird ihn finden!!!

Wie ich mit einem Stinktier „zusammenstieß“

Tag 13 und 14 oder im Haus der lebenden Toten

Für den 13. Tag haben wir uns vorgenommen, an keinen Aktivitäten teilzunehmen, keinen Wecker zu stellen und einfach nur rumzuhängen. Gut, eigentlich war es eher so, dass ICH das angeordnet habe.

Wenn wir schon seit zwei Wochen kein Faultier sehen (übrigens auch eines der „Dinge“ die man nach Auskunft der Einheimischen „gar nicht verfehlen“ kann) können wir uns wenigstens selbst wie welche benehmen. Vermutlich werde ich der einzige Tourist in der Geschichte des Landes sein, der es schafft, sich längerfristig im Land aufzuhalten, ohne dem charmantesten Einwohner des Landes angesichtig zu werden.

Bevor wir am Vorabend ins Bett gehen fällt uns auf, dass der Schweizer an sich offenbar ein riesiger Freund von Gesellschaftsspielen ist. An drei Tischen wird Monopoly, Jenga und sogar „Mensch Ärgere Dich nicht“ gespielt. Werde ICH doch zu Hause regelmäßig ausgelacht, wenn ich einen guten alten spiessigen Spieleabend organisieren will , scheint der Schweizer diese organisierte Fröhlichkeit auf engstem Raum gesellschaftlich völlig unproblematisch zu finden. Und das ganz ohne harten Alkohol. Wir sitzen indes mit unseren neuen amerikanischen Freunden (Anwältin und Biologie-Professor) in fröhlicher Zecherrunde.

Durch den Restaurant Bereich fliegen immer wieder große Zirkaden. Der Mitreisende wird unruhig, reagiert er doch auf alles was auch nur entfernt an eine Schabe erinnert panisch. Wenn die Schabe dann noch fliegen kann gibt es kein Halten mehr. Nach einem besonders dreisten Flugmanöver zieht Tim dem netten Professor sein Weinglas über. Alle sind nass, überall liegt Glas und der Professor blutet bedauerlicherweise in sein teures Safari Hemd. Er sieht aus, als hätte er sich einen Ringkampf mit einem Koati geliefert. Ruckartig endet die Geselligkeit.

Des Nachts schrecken wir beide gleichzeitig aus dem Schlaf hoch. Je schneller ich aufwache, desto weniger weiß ich in der Regel, wer und wo ich bin. Diesmal allerdings bin ich so alarmiert, dass mein Herz mindestens 180 Schläge die Minute tut. Ein unfassbarer Geruch füllt das Zelt. Zuerst denke ich, dass es irgendwo brennen muss, da kein anderer Geruch als der von Feuer mich je so erschreckt hat. Nur ist es viel schlimmer als Feuergeruch. Es riecht als könne man die Luft schneiden. Ich bin an fragwürdig Gerüchen durch das langjährige Zusammenleben mit Männern und einem Hund mit Verdauungsproblemen ja vieles gewöhnt, bin mir aber sicher, dass der Verursacher NICHT der Mitreisende sein kann. Der Geruch schreit mir ins Ohr: LAUF WEG. Lauf schnell und Lauf weit!!!

Zudem nimmt mein linkes Ohr die Frage des Mitreisenden „riechst Du das?“ auf. Sehr witzig.

Wir hören ausserdem einen riesen Radau. Unter der Plattform, auf der unser Zelt steht, geht es richtig rund. Es wird gekreischt, es wird gejammert, es raschelt wie verrückt. Als ich mich noch frage, was in des Teufels Namen DAS ist, merke ich, wie sich Tim Jong Un unwirsch an meiner liebevoll für den Nachtschlaf frisierten Asipalmen-Frisur zu schaffen macht. Er entwickelt den Dutt und drappiert die Haare auf seinem Gesicht. Offenbar stinkt der Dunst nicht nur, sondern macht auch vollständig meschugge.

Mit den Worten „deine Haare riechen nach Kokos, so kann ich wieder pennen“ verabschiedet sich der Mitreisende in offenbar traumlosen Schlummer. Ich überlege, ob das eben Erlebte eine herzzerreißende Liebeserklärung oder eine unfassbare Unverschämtheit ist tut sie doch so, als könnte es irgendetwas geben, das NICHT deutlich besser riecht als was auch immer da in der Luft liegt.

Nun liege ich immer noch halb-panisch, aber bewegungslos quasi im Freien und lausche den nächtlichen Geräuschen. Schön, wenn wenigstens einer schlafen kann.

Am nächsten Morgen liegt noch ein wenig übler Geruch in der Luft. Ich überlege, mit was der Gestank ansatzweise zu vergleichen ist. Mir fällt nichts ein. Er erinnert ein wenig an den beunruhigenden Duft verbrennender Haare. Aber auch das nur entfernt.

Wir werden sodann durch die Guides aufgeklärt, dass es sich wohl um den Kampf eines Stinktieres mit was auch immer gehandelt hat. Walt Disney hat also nicht übertrieben. Von der Liste favorisierter Haustiere wird das Stinktier gestrichen. Wenn das einmal schlechte Laune hat, kannste nur für drei Monate auswandern.

Ansonsten frönen wir heute hemmungslos dem Hedonismus. Nach einer extrem kalten Dusche lege ich mich in eine Hängematte und habe den festen Vorsatz heute mal „Pura Vida“ am eigenen Leib auszuprobieren. Wie sagte einmal ein anderer sehr schlauer Mitreisender: „Nichts wollen, nichts müssen, nur sein“

Das klappt für 2 Minuten hervorragend. Dann erinnert mich eine nörgelige Stimme in meinem Kopf daran, dass die mitgeschleppten Bücher noch weitgehend ungelesen in der Tasche stecken, die ZEIT aufs Tablett geladen ist, noch nicht meditiert wurde und ich auch meine Liste mit Zielen für 2019 noch nicht fertig ist. Außerdem wartet ein Headhunter noch auf eine E-Mail. Anders als bei Fachliteratur oder Selbsthilfe-Büchern tritt der beruhigende Effekt bei anderer Literatur nicht dadurch ein, dass das neue Buch ungelesen neben seinen ebenfalls jungfräulichen Kollegen im Regal steht. Ich mache also den Fehler und greife das Handy.

Eigentlich will ich wenigstens eben die blöde E-Mail schreiben. Ich lande aber natürlich bei Twitter. Ich muss lesen, dass sich Herr Ribéry offenbar mal wieder vollständig daneben benommen hat. Gut, das ist jetzt nicht besonders bemerkenswert, nur weil man besonders schön oder erfolgreich gegen einen Ball tritt, muss man weder ein guter Mensch, noch sonderlich intelligent sein.

Auch kann der Frank meinetwegen auch ein ganzes goldenes Kalb essen. Etwas derart dekadentes aber nicht nur zu tun, sondern es dann freiwillig (!!!) öffentlich zu inszenieren ist nur solange ok, wie man auch mit negativen Reaktionen umgehen kann. Denn: (Überraschung) auch im Internet besteht kein Anspruch auf flächendeckenden Applaus. Ich lese verschrienste Stellungnahmen und Witze zur causa Ribéry und vertrete die Auffassung, dass du soviel goldene Steaks fressen kannst wie du willst, wenn du dich in dem Alter angesichts – wie auch immer berechtigter oder unberechtigter Kritik- benimmst wie ein Fünfjähriger ne verdammt arme Wurst bist. Völlig unabhängig vom Kontostand.

Jedenfalls hilft mir dieser Vorfall dabei, meinen ursprünglichen Plan weiter zu verfolgen. Ich liege vier Stunden in einer Hängematte und starre aufs Meer. Tim Jong Un wird wahnsinnig. Und das ist auch gut so.

Am nächsten Tag und nach einem weiteren Gewaltmarsch durch den Dschungel sowie einer unfassbaren Affenschlägerei inklusive Wurf mit Fäkalien über unserem Zelt, brechen wir auf gen Norden. Wir fahren auf der Küstenstraße ca. 300 Kilometer Richtung Monteverde. Topographie und Vegetation ändern sich wieder. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft sehen wir keine Berge. Wir übernachten in einem ziemlich heruntergekommen Hotel, da bis zur eigentlichen Destination weitere 300 km Strecke zu bewältigen sind.

Gäste sind ausschließlich sehr alte Amerikaner, die sich für das – auch nach normalen Maßstäben – schreckliche Buffet-Dinner richtig in Schale geworfen haben. Es liegt ein Hauch von Captains Dinner in der Luft. Ich fühle mich in erschreckender Weise an Szenen aus „From Dusk Till Dawn“ erinnert. Nur George Clooney lässt sich mal wieder nicht blicken, obwohl er mittlerweile ja durchaus altersmäßig auch hier NICHT deplatziert wäre.

Rückblende Costa Rica 2019

Tag 5 oder: Lieber feige als tot.

Ein neuer Tag in Costa Rica. In einem Anfall von Wahnsinn, haben wir uns für einen „kleinen“ Morgenspaziergang zum ortsansässigen Vulkan angemeldet. Um sieben Uhr: Treffen mit „Ceasar“ an der Rezeption. Vorher gibt es Reis und Bohnen. Während des Verzehrs schauen wir den Vögeln im Garten zu, die sich um die besten Stücke vom Obstbuffet kloppen. Es ist wie im wahren Leben: die kleinsten und buntesten sind die frechsten, die sich durchsetzen.

Um 7:00 Uhr werde ich vom Frühstückstisch unsanft zum Empfang gescheucht. Schließlich haben wir einen „Termin“. Um 7:03 Uhr fängt der große Mitreisende an, immer wieder demonstrativ prüfende Blicke zur Uhr zu werfen, unterdrückt aber noch mit einem Finger auf die Uhr zu klopfen. Um 7:05 Uhr: Rabatz am Tresen: Die durchaus anklagende Information, dass wir um sieben ein appointment zum hiking hätten!!!

Der arme Ceasar wird offenbar auf dem Handy angefunkt und erscheint schuldbewusst um 07:10 Uhr.

Was er nicht weis: Sein Trinkgeld hat sich schon jetzt halbiert. Das frühe Aufstehen habe ich deshalb ganz gut weggesteckt, weil wir am Vorabend schon wieder um halb neun in der Koje lagen.

Auf dem Weg auf immerhin 3000m, versucht Timmi Räikkönen die verlorenen 10 Minuten wieder herauszufahren. Ceasar ist offenbar schlecht, er beantwortet Fragen nur noch mit erheblicher Verzögerung. Hätte er mal weniger Bohnen und Reis gefrühstückt.

Anders als in deutschen Gefilden, wachsen hier auch auf 3.000m noch Bäume. Keine normalen Durchschnittsbäume, sondern Riesen Kawenzmänner. Auf jedem Baum wächst ein neuer Baum (oder eine Bromelie) Und auf dem kleinen Baum wieder ein weiterer kleiner Baum.

Oben angekommen, parken wir den Wagen an einem Bauernhof (auch Kühe gibt es dort oben noch) und laufen los. Es ist kühl, aber der Spaziergang durchaus anregend. Wir gehen vorbei an unfassbaren Feldern, auf denen Kaffee, Blumenkohl, Brokkoli und Kartoffeln geerntet werden. Eine idyllische Szene, wie aus einem Werbespot für Mittelamerika. Das ist genau so lange idyllisch, bis man erfährt, dass sich der Costa Ricaner für derartige Tätigkeiten armer Hilfskräfte aus dem (noch) deutlich ärmeren Paraguay oder Nicaragua bedient, die für einen Tag extreme Arbeit – wenn es gut läuft und sie die Quote erfüllen – 2$ bekommen.

Wir laufen weiter, um auf die andere Seite des Vulkans zu gelangen. Die Landschaft ist einfach nur surreal. Die Bäume haben teilweise echten Rost angesetzt. Es sieht aus wie im Auenland. Alles ist grün, hügelig und unwirklich. Wenn man genau hinhört, kann man es im Krater, der einen feinen Dunst ausstößt brodeln hören. Der Weg schlängelt sich bergauf bergab um den Vulkan und ist unfassbar anstrengend zu gehen. Wir wechseln uns mit dem schweren Rucksack ab. Ich interessiere mich zwischenzeitlich wahnsinnig für allerlei Blätter, Steine und vermeintliche Fotomotive, um zwischendurch unverdächtig stehen bleiben zu können. Allein Ceasar stratzt stoisch voran. Vermutlich ist das die Rache, für die teutonische Hetzerei am frühen Morgen.

Wir kommen am Aussichtspunkt an und stellen erstmal fest, dass der Costa Ricanische Tourist es gar nicht einsieht irgendwo hin zu laufen, sondern mit seinem SUV lieber direkt an den Ort des Geschehens braust um mit lautem Getöse ein Foto anzufertigen und sodann bei ebenso lauter Musik mit drei Kindern, der Oma und dem zahmen Dackel (kein Spaß) im Schlepptau zum nächsten Aussichtspunkt zu fahren.

Gerade als ich denke: Hier hätte der Schweizer eine schöne Bude aufgebaut, an der eine Tasse Kaffee für 15€ verkauft würde, finden wir tatsächlich – auf 3.000 Metern- eine Kaffee Bude. Der Tico ist also deutlich geschäftstüchtiger als der Thai. Der Kaffee kostet erfreulich wenig, schmeckt aber wunderbar. Zwischendurch veranstalte ich ein wenig Euro-Münzkunde für Ceasar, dachte dieser doch „irgendwas von den Römern“ sei auf der Rückseite des 20 Cent Stücks das aus meiner Tasche gefallen ist abgebildet. Kurzer Exkurs zum Mauerbau und der deutschen Wiedervereinigung. 20 Cent Stück als Erinnerungsstütze überreicht. Über Deutschland wissen die meisten, mit denen wir bislang gesprochen haben fast nur, dass es und wieder schneit, wir gerne selbstinitiierte Weltkriege verlieren UND es das Oktoberfest gibt.

Nach sage und schreibe 11 Kilometern mit vollem Marschgepäck sitzen wir nach dem Kaffee wieder im Auto. Auf dem Weg sehe ich riesige, etwas merkwürdige Palmen, die entfernt an einen Weihnachtsstern erinn… es SIND Weihnachtssterne nur eben SO gewachsen, wie die Natur das vorgesehen hat.

Ein langer Stängel und lediglich am oberen Ende ein paar rote Blätter. Eigentlich ziemlich jämmerlich. Augenblicklich denke ich an mein vier Jahre altes Exemplar zu Hause, das genau SO aussieht. Ich hatte diesen besonderen Wuchs bislang immer für einen persönlichen Affront gegen mich gehalten, als wenn die Staude mich auf meine botanischen Defizite hinweisen wolle.

Tatsächlich gehört dat aber genau so! Daher ein Appell: schmeißt dieses Jahr eure Weihnachtssterne nicht weg, nur weil unten die Blätter abgehen. Das muss so.

Wir packen unser Zeug zusammen und fahren weiter. Nunmehr betreiben wir 2 Navis, sicher ist sicher.

2 1/2 Stunden Autofahrt stehen bevor. Sagen wir so: es scheint die besondere Ironie des Schicksals zu sein, dass man immer DANN kein Valium zur Hand hat, wenn man es am dringendsten bräuchte. Nicht nur führt uns die schmale Strasse halsbrecherisch immer wieder hoch und runter (selbstverständlich MIT viel Gegenverkehr, Radfahrern und Nutzvieh auf der Strasse) nach wenigen Kilometern riechen unsere Bremsen auch schon wieder verdächtig und insbesondere die Fahrkünste einiger Verkehrsteilnehmer sind durchaus als abenteuerlich zu umschreiben. Aus einer kreuzenden Strasse schießt ein Costa Ricanisches Auto mit „RUSSIA“ Aufkleber hervor und es ist ein Wunder, dass wir nicht gerammt werden. Ich kann ein „VERFLUCHTE SCHEISSE!!!“ nicht unterdrücken, woraufhin sich sofort ein erzürntes Streitgespräch in unserem Fahrzeug entwickelt, glaubt Tim Alesi doch ich hätte IHN gemeint. Auch möchte er – wie gute alte Tradition – den irren Fahrer des anderen Wagens erst mit der Lichthupe malträtieren und ihn sodann überholen, um böse in sein Auto zu starren, muss man doch herausfinden, ob er genau so bekloppt aussieht wie er fährt (nämlich mittlerweile fast Schritttempo und in Schlangenlinien). ICH lege ein Veto ein. Ich bin die letzten 34 Jahre mit der Devise: „Lieber feige als tot“ ganz gut gefahren und zwar NICHT nur im Straßenverkehr. Abgesehen davon weiß man ja nicht, ob der Typ nur besoffen oder schlimmeres ist.

Aufgrund oben genannten Mottos bin ich zudem ein Riesen-Fan davon, nach einem Besuch im Drive in bei Mc Donalds zum

Verzehr der Mahlzeit anzuhalten und NICHT burger-essend das Auto mit dem Knie zu steuern sowie auf unbekannten Straßen langsam zu fahren und ähnlicher spiessiger Ideen, die jedoch allesamt abgelehnt werden, würden sie doch die Fahrtzeit verlängern.

90 Minuten und einige weitere Nahtoderlebnissen später (allesamt NICHT von unserem Fahrer verursacht) bin ich nicht nur bereit für einen Schnaps, sondern auch froh, dass einer von uns sein Testament noch vor der Abreise fertiggestellt hat.

Der schlimmste Teil der Reise steht indes noch bevor. 9 km schmalste „Strasse“ (Schotter und Buckelpiste) die in Serpentinen von wiederum 2600m auf 1000m herunterführt. Walter Röhrl meistert aber auch diese Herausforderung. Ich schließe einfach die Augen und verspreche mir selbst die wirkliche Strasse des Todes nie zu fahren, auch nicht als Beifahrer bzw Beikreischer.

Angekommen werden wir belohnt mit einer Traum-Location und einer Hütte mit Heizöfchen sowie einer Wärmflasche die unter die Bettdecke gelegt wird. Es ist 19:30 Uhr und ich schaffe es gerade noch zum Abendessen, bevor ich komatös in einen traumlosen Schlummer falle. Mir entgeht allerdings auch in diesem Zustand nicht, dass eine Mutter am Nebentisch ihrem (nicht körperlich oder geistig eingeschränktem) 13-Jährigen Sohn das Essen klein schneidet. Auch die beiden amerikanischen Flintenweiber, die im Schlafanzug aber mit umgehängter Wolldecke zum Essen ins Restaurant gekommen sind, entgehen mir nicht.

Morgen gehen wir den Quetzal jagen. Um fünf Uhr und bei voraussichtlich 4 Grad.

Der Geist der Weihnacht

An Weihnachten sterben statistisch gesehen die meisten Leute an einem Herzinfarkt. Warum setzen wir uns an Weihnachten so unfassbar unter Druck? An keinem anderen Tag im Jahr scheinen wir weniger im „Jetzt“ zu leben als an Heiligabend. An keinem Tag, nicht einmal an Silvester, scheinen wir unser Leben so sehr auf den Prüfstand zu stellen wie an diesem Tag. Ein Tag, an dem wir uns gegen die ganzen alten unterbewussten Werte und Vorstellungen die wir sonst so vehement ablehnen offenbar trotz des Konsums erheblicher Mengen an Alkohol nicht entziehen können. An keinem anderen Tag hat man oft das Gefühl, etwas sollte dringend „anders“ sein. Das mag auch der Grund dafür sein, dass die Kirchen an Heiligabend ausnahmsweise so brechend voll sind.

Trotz Konsum, Stress und und der anhaltenden Klage dass „früher alles besser, ehrlicher, echter“ und nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Weihnachten war, können wir uns von der Bilderbuchvorstellung, wie Weihnachten sein muss, nicht verabschieden. Und weil anscheinend immer noch Hollywood und die Werbung die Blaupause für das liefert, was als „besinnlich und schön“ allgemein akzeptiert wird, kann das echte Weihnachten einfach gar nicht mithalten.

Unser irrer Onkel der immer einen zu viel trinkt, ist eben nicht Robert De Niro und trotz allem lustig und liebenswert, Sondern es ist der Onkel, der alle in den Wahnsinn treibt und die AfD wählt, den man aber einladen MUSS, weil Weihnachten ist. Davon abgesehen, scheint aber nicht nur das Weihnachtsfest bei Hugh Grant, sondern auch das der zahlreichen Social Media Freunde so viel perfekter, besinnlicher und schöner zu sein als das eigene.

Ritual lebt vom Mitmachen und vom „nach außen zelebrieren“ definierte heute der Professor in meinem Podcast. Wir müssen uns also für zahlreiche Postings auf Facebook vom Baum und den Geschenken inklusive Mega Glanzfilter sowie dem Duckface mit Glitzerlipgloss ebensowenig schämen, wie der Nachbar für seine scheußliche Weihnachtsbeleuchtung. Auch das ist alles „nach außen zelebrieren“ und qua definitionem erlaubt.

Das war schon immer so, auch vor Facebook und Instagram. Zur Schau gestellt wurde schon immer, vermutlich auch „manipuliert“. Das aber früher alles nicht so effizient und flächendeckend, wie es das heute ist. Deswegen sollten wir daran denken, dass ein schönes Facebook-Foto, für das 15 Minuten lang besoffene Verwandte versteckt, der Tisch neu arrangiert und 10 Filter drüber gelegt wurden, eben nicht „die Realität“ abbildet und es lange nicht heißt, dass der Heilige Abend bei Freund xy tausendmal schöner und „richtiger“ ist und nicht dessen Mutter heulend in der Küche sitzt und den Tag nur mit Valium überstanden hat oder Freund xy womöglich alleine vor einer Tiefkühlpizza sitzt.

In Erinnerung bleiben doch ohnehin die Dinge, die unperfekt waren. Wie der festlich gedeckten Esstisch samt Ex-Schwiegervater in Flammen stand, nachdem dieser die Brennpaste fürs Fondue anzünden wollte, die sich unbemerkt auf ihn und die Tischdecke ergossen hatte und es danach beinahe Pizza gegeben hätte. Wie meine Mutter kurz vor der Bescherung von den Nachbarn mit Schlehenfeuer abgefüllt wurde. Wie in der Christmette der Pastor in Flammen stand und mit Weihwasser gelöscht werden musste oder wie meine Schwester laut in die Stille der Messe (in einem anderen Jahr) hinein fragte:

„Du Mama, kann man eigentlich vor Langeweile sterben“.

Ich glaube wir alle fühlen uns – egal wie die Umstände sind- gerade an Weihnachten oft einsam und hinterfragen unser Leben. Aber wisst ihr was ich daran – neben der Tatsache, dass es den meisten von uns so geht- am schönsten finde?

Genau so hat es mit Weihnachten damals angefangen. Es war unperfekt bzw nach heutigen Maßstäben eine Vollkatastrophe. Im Stall hat es gezogen wie Hechtsuppe, die kleine Familie war alleine und es war sehr fraglich wie es weiter geht. Josef hatte nicht rechtzeitig bei Trivago ein vernünftiges Zimmer in Bethlehem gebucht und zu guter Letzt kamen noch drei alte Onkel mit unpassenden Geschenken zur ersten Baby-Shower der Geschichte.

Vielleicht ist das also der echte Geist der Weihnacht: versuchen zufrieden zu sein mit dem was man hat und das Beste daraus zu machen.

In diesem Sinne: Lasst mich doch bitte alle an eurem herrlich chaotischen, echten Weihnachten teilhaben.

FakeNews und Meinung, oder weshalb Märchen wieder „in“ sind.

Warnung! Heute vielleicht nicht lustig, gleichwohl musste es „raus“.

Wir leben in einer zunehmend komplexen Welt. Einer Welt, in der man trotz regelmäßiger Lektüre einer Zeitung, Inhaberschaft von Abitur, Hochschulstudium und dem Seepferdchen 90% der tagesaktuellen Themen nicht fachlich beurteilen kann. Was weiß ich, ob das Referendum zum Brexit nach britischem Recht verfassungskonform ist oder ob unser Klima tatsächlich durch menschliche Einflüsse im Wandel befindlich ist.

Ich verstehe trotz 1,3er Abitur und Zweier Examen weder vollumfänglich meinen Steuerbescheid, noch die Bedienungsanleitung der Mikrowelle. Wenn ich Glück habe, weiß ich nach Lektüre letzterer immerhin, dass mein Hamster nach 10 Sekunden Trocknungsvorgang in dem Gerät nicht trocken, sondern Konfetti wird.

Komplex war die Welt zwar schon immer, man hat es bloß nicht so gemerkt.

Der Durchschnittsmensch hatte schlicht nicht Zugriff auf beinahe alle Informationen zu einem Thema und die damit einhergehende Forderung, dieses Wissen nun auch gewinnbringend einzusetzen. Er hatte eine (!) Zeitung. Aus Papier. Die las er und nutzte sie nicht wie beispielsweise in meinem Haushalt ausschließlich als Unterlage fürs Kackbrett im Hühnerstall.

Ggf gab es noch die Tagesschau. Damals noch nicht als linksgrünversiffte Lügenpresse, sondern als EIN Medium zur Information empfunden. Keine Berieselung, sondern Mitdenken war angesagt. Da war man als Kind still, wenn der Oppa Nachrichten sah und sich hinterher mit den Erwachsenen über das Gehörte austauschte.

Ganz Glückliche waren zudem im Besitz eines „Großen Brockhaus“. Was DA drin stand war Gesetz. Niemand kam auf die Idee, dass die Verfasser – womöglich aus böser Absicht oder getrieben von einer finsteren Macht (Lobbyverbände, „die da oben“, die Russen, Lord Voldemort) absichtlich falsche Informationen dort aufnahm. Wenn man eine Frage hatte, schlug man das Buch auf, man bekam eine Antwort und das zauberhafte Gefühl, eine Lösung gefunden, ach was sage ich ERARBEITET zu haben, ohne die lästige Pflicht, selbige in komplizierter Exegese und nach wissenschaftlichen Standards auf Quelle, Glaubhaftigkeit und Aktualität prüfen zu müssen. Wie auch? Gut, man hätte in die Bibliothek gehen oder einen Wissenschaftler anschreiben können. Aber wozu? Das teure Buch hatte doch gesprochen. Außerdem konnte der Lehrer, der das Referat bewerten musste realistisch auch lediglich auf jahrzehntealtes Wissen aus dem Studium zur Regierungszeit Kaiser Wilhelms des II. oder auf eine vermutlich nur wenig frischere Auflage des Lexikons zurückgreifen.

Googelt man heute „Darf ein Hund Zwiebeln essen“ findet man – neben Rezepten für französische Zwiebelsuppe mit „kaltem Hund“, Forenbeiträge zur erfolgversprechende Zucht von Gartengemüse und ca. drölfzig ebenso wenig zielführende Beiträge zum Thema: „Flatulenz durch Barfen beim Zwergspitz“ das Foto eines als Hotdog verkleideten Dackels MIT Zwiebeln und ist genau so schlau wie vorher.

Der schöne Satz: „Man muss nicht alles Wissen, man muss nur wissen wo es steht“ wurde durch das Internet außer Kraft gesetzt. Durch den jederzeitigen Zugriff auf unbegreiflich viele – teils unglaublich schwachsinnige – Informationen besteht der missliche Trugschluss, man selbst sei schlau. Ist man aber nicht.

Nur weil man im Supermarkt umgeben von Lebensmitteln ist, ist man auch nicht automatisch ein guter Koch. Man kann die dollsten Produkte in einen Topf schmeißen und raus kommt: ungenießbarer Blödsinn. Man muss WISSEN wie man welche Zutaten zusammen fügt, um etwas gaumenfreundliches daraus herzustellen. Ähnlich ist es bei dem Konsum von Informationen. Man muss sie einordnen, bewerten, hinterfragen und verknüpfen können. Dabei muss man auf gespeichertes Wissen zurückgreifen können. Kann man das nicht, kommt ein ungenießbarer Brei dabei heraus, der auch durch die ursprüngliche Qualität der Zutaten nicht genießbarer wird.

Nun war ich schon immer ein großer Freund des Dunning Krüger Effektes, bringt er doch meine geronnene Alltagserfahrung ganz bezaubernd UND wissenschaftlich auf den Punkt, die da lautet: Wer dumm ist, kann nicht erkennen, dass er dumm ist und glaubt vielmehr, er sei besonders schlau. Nicht zuletzt deswegen hat er keinerlei Bedenken dabei andere – wirklich schlaue Menschen- als dumm zu beurteilen, wenn die von ihnen vertretene These (für ihn zu) komplex ist und hält fort oder Weiterbildung für unnötig. Ganz stark vereinfacht: Das Drama, vor lauter Doofheit nickt erkennen zu können, dass ein anderer schlauer ist und Recht hat, was sich auch recht schön in dem Bukowski Zitat:

„Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen so voller Selbstzweifel und die Dummen so voller Selbstvertrauen sind.“

zusammenfassen lässt. Zwar leben wir in einer zunehmend auf das Individuum und dessen Ego fixierten Gesellschaft, trotzdem bleibt es eine gute Idee, sich grundsätzlich, wenn auch mit kritischem Geist, auf echte „Experten“ zu verlassen. Es kann und muss nicht jeder alles können.

Auch wenn ich mich nach vier Staffeln Schwarzwaldklinik und dem Konsum Dreier YouTube Videos hoch motiviert und befähigt fühle, den nächstbesten vereiterten Appendix zu entfernen, lasse ich das sein. Weil ich weiß dass ich es nicht, bzw andere es besser können.

Ebenso ist es eine befremdliche – indes nach meiner Erfahrung- oft und gerne betriebene Sportart, Volljuristen wie mir nach einem summa summarum lediglich achtjährigen Studium, das deutsche Recht oder seine Fallstricke erklären zu wollen. Womöglich noch begründet mit dem „Gesunden Menschenverstand“, einem hässlichen Enkel des von Oppa Adolf so heissgeliebten „gesunden Volksempfindens“.

Das heißt mitnichten, dass man sich nicht auch als Laie schlaue Gedanken zu fachlichen Themen machen oder interessante Ideen einbringen könnte, wenn es aber anfängt hohl zu klingen, könnte man sich auf dem Holzweg befinden. Ein wenig Demut täte daher beizeiten Not.

„Dummheit“ ist jedoch leider nicht der einzige Grund für die aktuell exzessive Verbreitung von „FakeNews“ oder euphemistischer „alternativer Fakten“ sowie das nachhaltige Aussperren jeglicher Erkenntnis, die mit der Brechstange versucht das Küchenfenster einzuschlagen.

Grund Nummer 2 daher: Bequemlichkeit. Unangenehme Wahrheiten lassen sich so herrlich verdrängen, wenn man sich aus dem reichen Angebot einfach DIE Wahrheit aussucht, die einem selbst am besten in den Kram passt. Bin ich leidenschaftlicher Fleischesser, werde ich eine Wahrheit finden, dass Vegetarismus gesundheitsschädlich ist und von mir besonders gerne verzehrte Tiere über keinerlei Schmerzempfinden verfügen, der Mensch hingegen über ein Raubtiergebiss, ein klarer Beleg carnivorer Ansprüche.

Bin ich Eigentümer mehrerer hochmotorisierter Kraftfahrzeuge, finde ich irgendeinen verrückten Professor, der nach langjährigem Studium an der Baumschule Buxtehude festgestellt hat, dass ein menschengemachter Klimawandel nicht existiert. „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ aber nicht in der Andrea-Nahles-Sozen-Edition, sondern als urbanes Märchen für den viel besungenen „alten weißen Mann“, der sich nicht mal zu schade dafür ist, ein 16 jähriges, schwedisches Mädchen wochenlang unflätigst zu beleidigen.

Hauptsache, das eigene Verhalten nicht überdenken müssen und die unangenehme Kognitive Dissonanz vermeiden, dass man zwar gerne zweimal im Jahr nach Australien fliegen, aber trotzdem in 20 Jahren nicht in einer teutonischen Wüste wohne möchte.

Überhaupt ist das #GretaGate ein schönes Beispiel dafür, dass zwei Sachverhalte, die sich auf den ersten Blick ausschließen mögen (das Kind saß im Zug auf dem Gang versus das Kind saß (zeitweise) bestens umsorgt in der ersten Klasse) dennoch beide zutreffend sein können. Weil das Leben eben nicht immer so einfach ist, wie man es gerne hätte. „Schrödingers Bahnfahrt“ sozusagen. So kann man – Überraschung- die militante Mützenträgerin höchst unsympathisch finden und hinterfragen, wieviel Inhalt von einer dahinterstehenden Medienagentur getriggert ist und ZEITGLEICH anerkennen, was dieses Mädchen leistet und dass ein Umdenken notwendig ist.

Grund Nummer 3: Angst. Angst vor einer Welt, die man nicht mehr begreift. Davor abgehängt zu sein und auf Hilfe anderer angewiesen. Je größer die Angst, desto lauter und aggressiver

das virtuelle Gebrüll und der Drang nach einer einfachen Erklärung für jedes noch so komplexe Problem und umso größer die Gefahr, aus dem Stand über ein zwei Meter hoch platziertes Stöckchen zu springen, das ein schlauer Mann mit Dackelkravatte einem hinhält. Das beruhigende Gefühl zu einer besonderen, auserwählten Gruppe von Menschen zu gehören, die wirklich (!) weiß, was vor sich geht und es den Eliten irgendwann zeigen wird.

Was nun aber tun, damit man nicht so wird, wie Onkel Willi, der auf jeder Familienfeier populistische Volksreden hält, bis er – zur Erleichterung aller- in ein sanftes Bier-Koma fällt? Anbei ein paar Ratschläge zum demütigen Umgang mit Informationen, die selbstverständlich nicht auf meinem Mist gewachsen sind, sondern auf dem deutlich schlauerer Personen als mir.

„Es ist meine Überzeugung, dass die Wahrheit der Lüge vorzuziehen ist“ (Prof. Dumbledore)

Auch wenn es unangenehm oder hart auszuhalten ist: Vom Ergebnis her denken ist kontraproduktiv und zahlt sich im Endeffekt nicht aus. Manchmal muss man der Wahrheit ins Auge sehen, man muss es nur wollen.

„Es muss auch Blöde geben auf der Welt, es gibt halt nur jeden Tag mehr!“ (Meister Eder)

bzw:

„Größe ist nicht alles, die kleinere Truppe wir sind, dafür größer im Geist“ (Meister Yoda)

Auch wenn es manchmal so erscheint: Wer lauter ist, hat weder automatisch Recht, noch ist die Gruppe der “Schreier” tatsächlich größer als die derer, die auf der anderen Seite der Dunning Krüger Skala stehen und vielleicht nur deswegen den Schnabel halten, weil „sie wissen, dass sie nicht wissen“. Und so muss es zwar „Blöde“ geben, man kann sich aber jeden Tag frei entscheiden, ob man selbst einer sein will.

„Vertan, sprach der Hahn – und stieg von der Ente.“ (Bernd Stromberg)

bzw.

„Ich habe gedacht, das wird in Kölner Studios gedreht, dabei sind wir hier im echten Jungle!“ (Joey Heindle)

Eine Meinung kann man ändern. Beliebig oft! ZB wenn man etwas neues dazu gelernt hat. Fehler kann man einräumen. Ganz ohne, dass einem ein Zacken aus der imaginären Krone bricht. Ebenso kann man ohne Auferlegung eines Bußgeldes zugeben, dass man sich geirrt hat und es jetzt besser weiß. Man kann auch, bevor man seinen Senf dazu gibt eine Quelle prüfen, sich die Argumente der anderen Seite anhören und sich dann, informiert und ohne Schnappatmung eine Meinung „bilden“. Das ist ein mühsamer Prozess, nicht wie ein Schnupfen, den man automatisch bekommt, weil der Nachbar einen anhustet. Der Prozess darf auch länger dauern und man darf zugeben, dass man zu Thema a oder b noch keine Meinung gebildet hat.

„Niemand zwingt Sie nach Ende der Vorlesung sofort den Campus fluchtartig zu verlassen, Sie dürfen auch in die Bibliothek gehen und die Nase noch in ein Buch stecken“ (Strafrechtsprof im zweiten Semester)

Lesen bildet. Oder jemanden Fragen, der Ahnung hat. Oder Nachdenken. ODER mit anderen sprechen. Das KANN sogar Spaß machen. Also los!

Besinnliches zum Jahresende

Es naht das Jahresende, die Zeit der Besinnung ist da. Insbesondere nach größeren Veränderungen neigt der Mensch (und die Kathi besonders) traditionell nicht nur zur Rückschau, sondern auch zur Entäusserung.

Was habe ich also für Erkenntnisse gewonnen in diesem Jahr?

(ACHTUNG: Besinnungsaufsatz)

Reihenfolge nicht nach Wichtigkeit geordnet

1.

Unterschätze nie Dein Gegenüber. Nicht im Positiven, nicht im Negativen. Nur weil jemand anders ist, ist er nicht „falsch“, nur weil er gut in eine Schublade passt und das Schild schnell auf die Stirn geklebt ist, muss das Urteil nicht richtig sein. Menschen sind nicht schwarz oder weiß. Gute können Böses tun, Böse Gutes. Jeder der dir begegnet weiß etwas, das Du nicht weißt. Das sollte stets demütig machen. Ebenso ist es wichtig die Leute, die man mal in eine Schublade gesperrt hat gegebenenfalls dort wieder raus zu lassen.

2.

Auf Menschen zugehen lohnt sich, gerade wenn man ein Misanthrop ist. Das Handy mal weglegen (wer mich kennt weiß wie schwer mir das fällt) und Menschen beobachten oder besser noch: mit Ihnen ins Gespräch kommen, so wie dieses Jahr in München, in Wuppertal und auf Ibiza. Das waren schöne Erlebnisse so unspektakulär sie auch waren.

3.

„Die gegen wir“ klappt nicht. Jemandem erst zu sagen, dass er ein Vollidiot ist, in der Hoffnung ihn dann von etwas zu überzeugen: suboptimal

4.

Freunde sind wichtig, Freundschaften müssen gepflegt werden, der Spruch: „Freunde habe ich genug“ ist immer noch der Dümmste den man sagen kann, auch wenn er sich weiterhin enormer Beliebtheit erfreut. Viele der schönsten Momente des Jahres habe ich mit Freunden geteilt. Guter Vorsatz: Mehr Zeit mit und für Freunde, neuen Menschen eine Chance geben.

5.

Hör immer auf das Bauchgefühl, zumindest wenn es „eindeutig“ ist und das ist es häufiger als ich mir eingestehen will. Eigentlich ist es das sogar meistens bevor der Kopf Anfängt da rein zu quatschen. Wird das Bauchgefühl zu lange ignoriert, schleppt es irgendwelche Steinbrocken herbei und schmeißt sie dir vor die Füße, um dich aufzuhalten. Tut weh, ist aber manchmal notwendig. Dabei ist es ok auch mal egoistisch zu sein. Manchmal muss man vermeintlich schwach sein um (wieder) richtig stark zu sein. Oft muss man sich zwingen, nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und selbst eine Rote Linie zu ziehen und laut und deutlich zu sagen: Bis hier hin und nicht weiter, übrigens muss man das manchmal auch zu sich selbst sagen.

6.

Mehr Sport Sport Sport und Musik Musik Musik.

7.

Wir sollen / wollen alle immer „schneller höher weiter“ besser, effizienter und sowieso toller werden und uns darum gefälligst nach Kräften bemühen. Gesund ernähren; Marathon laufen, nebenbei noch erleuchtet werden, meditieren Supereltern sein oder werden und natürlich „Karriere“ machen. Dabei sind wir alle schon toll. Nicht alle gleich und nicht alle in denselben Sachen aber alle toll!

Daher ein weiterer der Guten Vorsätze für das nächste Jahr: All das Tolle in anderen und sich selbst sehen, nicht ständig (insbesondere nicht online) anderen deren vermeintliche Fehler und Unzulänglichkeiten unter die Nase reiben.

8.

Es ist wichtig sich Zeit für kleine, schöne Dinge zu nehmen. Die sprichwörtliche und abgedroschene Blume am Wegesrand, die besonders coole Wolke, der besondere Geruch, der spektakuläre Sonnenuntergang. Dabei steht man schonmal Leuten im Weg während man so staunt und man wird auch mal angerempelt, aber so ist das nunmal.

So viele Menschen in meinem Umfeld, die teils überraschend, teils geplant in diese trumpgeschwängerte und klimagewandelte Welt noch Kinder setzen geben durchaus Hoffnung. Hoffnung, dass es weitergeht, Hoffnung dass genug Leute da sind, die ich im Seniorenstift hin und her scheuchen kann, Hoffnung dass es auch in 30 Jahren noch Material für romantische Komödien gibt.